1 bis 8: Wie nah sind wir an den Millenniumentwicklungszielen?

Ziel 2: Allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen
DAAD-Stipendiatinnen und -Stipendiaten nehmen die acht Millenniumentwicklungsziele der Vereinten Nationen in den Blick. Ihre beruflichen Erfahrungen und ihr Studium in Deutschland machen sie dabei zu Experten. Yasmin Helal engagiert sich für die Schulbildung in ihrer Heimat Ägypten.

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Mehr als nur ein Zeugnis
Yasmin Helal gab ihre Karriere als Ingenieurin für Biomedizinische Technik auf und gründete 2010 die Nichtregierungsorganisation „Educate-Me“. Das Ziel: Die Schulbildung in Ägypten zu verbessern. Um noch mehr bewirken zu können, studiert Yasmin Helal derzeit als DAAD-Stipendiatin International Education Management an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Yasmin Helal Foto: privat

Yasmin Helal
Foto: privat

Alle Kinder sollen die Grundschule besuchen können – so lautet das zweite Millenniumentwicklungsziel. Warum ist das wichtig?
Bisher versuchen wir, die Konflikte auf der Welt zu lösen, indem wir uns zum Beispiel aus der Ferne für mehr Umweltschutz oder die besseren Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einsetzen. Wir müssen aber die Menschen in den betreffenden Regionen befähigen, eigene Lösungsstrategien zu entwickeln. Eine solide Grundausbildung ist die Voraussetzung dafür.

Warum setzen Sie sich dafür ein?
Eine Begegnung führte mir den schlechten Zustand des ägyptischen Bildungssystems unmittelbar vor Augen: Ich wurde von einem Mann nach Geld gefragt, der beteuerte, die Spende zu benötigen, damit seine Tochter in die Schule gehen könne. Ich konnte mir das nicht vorstellen und habe ihn aufgefordert, mich zu der Schule zu begleiten – ich wollte feststellen, ob er die Wahrheit sagt. Tatsächlich bestätigte mir die Sekretärin, dass seine Tochter aus finanziellen Gründen nicht mehr am Unterricht teilnehmen durfte.
Da wurde mir klar, dass ich etwas für die Menschen vor Ort machen will, dass wir bessere Schulen brauchen. Die Ausbildungschancen unserer Kinder wurden für mich wichtiger als meine beruflichen Ambitionen. Und so konzentrierte sich mein Anliegen vor allem auf die Qualität der Bildung.

Warum können manche Länder den Besuch der Grundschule nicht für jedes Kind sichern?

Die Gründe sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Ägypten investiert die Regierung zwar in die Bildung, die Räume sind aber trotzdem schlecht ausgestattet und die Klassen mit 60 bis 100 Schülern zu groß. Im Unterricht werden nur Informationen vermittelt. Fragt man die Kinder, warum sie zum Unterricht gehen, ist ihr einziges Ziel, ein Abschlusszeugnis zu bekommen. Die Schule sollte sie aber zum Nachdenken darüberanregen, was sie in ihrem Leben erreichen möchten.
Viele Lehrer bringen ihren Schülern überhaupt nichts bei. Sie nehmen sogar oft private Nachhilfestunden bei ihren eigenen Lehrern, um die Klassenarbeiten zu bestehen. Dennoch lernen die Kinder kaum etwas, während hingegen die Lehrer ihr Einkommen aufbessern.


Wie kann man mehr Qualität in der Primärbildung erreichen?

Unterrichtskontrollen und Evaluationen können zeigen, was sich innerhalb der Klassenräume abspielt. Wenn der Staat die Qualität nicht alleine sicherstellen kann, muss er sich an die Gruppen wenden, die bereits zu diesem Thema arbeiten. Es sollte zum Beispiel verbindliche Standards geben, damit NGOs und Community Center parallel zu den staatlichen Schulen gleichberechtigten Unterricht anbieten können. So können die vielen Schüler aufgefangen werden, die im regulären Unterricht nicht mitkommen.

Mit Nachmittagsbetreuung möchte Yasmin Helal Schulkindern in Kairo eine Persepektive geben Foto: Educate Me

Mit Nachmittagsbetreuung möchte Yasmin Helal Schulkindern in Kairo eine Persepektive geben
Foto: Educate Me

Was leistet Educate-Me?
Wir möchten junge Menschen zu selbstbewussten Individuen ausbilden, die die Freiheit und die Möglichkeit haben, nach ihren Träumen zu streben. Educate-Me bietet frühkindliche Bildung und Nachmittagsbetreuung für Schulkinder an. Hier können die Kinder Sprachen lernen, Sport machen oder ihre Computerkenntnisse verbessern. Erwachsene können bei uns an Alphabetisierungskursen, Hygieneschulungen und Elternarbeit teilnehmen. Darüber hinaus unterstützten wir Kinder finanziell, um die öffentliche Schule besuchen zu können.

Wie wird Educate-Me von den Eltern und Kindern aufgenommen?
Das Feedback ist sehr positiv. In unseren Programmen betreuen wir 150 Kinder und 20 Erwachsene. Auf der Warteliste stehen über 450 weitere Kinder. Manche Schüler kommen an fünf Tagen in der Woche und bleiben auch nach den Unterrichtsstunden, um zu lernen. Einige haben sich sogar Fundraising-Ideen ausgedacht, damit wir unsere Räumlichkeiten, die wir aktuell nur mieten, kaufen können. Sie wollen dazu beitragen, dass Educate-Me einen festen Platz hat und sie hoffen, dass sie eines Tages diejenigen sein werden, die das Center leiten.

Mehr Informationen zum zweiten Millenniumentwicklungsziel gibt es hier

Hier erfahren Sie mehr zu Educate-ME!

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