Geschäftsideen unter der Lupe

Eine kostengünstige Methode, nachhaltig Energie zu gewinnen, eine innovative Website oder ein moderner Landwirtschaftsbetrieb: Im Juli konnten Studierende und Alumni der Entwicklungsbezogenen Postgraduiertenstudiengänge (EPOS) bei der ersten AGEP Business Start-up Clinic ihre Vorhaben einem Realitätscheck unterziehen.

Studierende vieler EPOS-Studiengänge haben das technische Know-how, um Produkte oder Dienstleistungen für ihre Heimat zu entwickeln. Werden daraus erfolgreiche Unternehmen, haben die Gründer nicht nur eine  wirkliche Karriereoption, sondern sie schaffen auch Arbeitsplätze und tragen zum Wirtschaftswachstum bei.

Doch wie macht man sich selbstständig? Bei dieser Frage hilft die Universität Leipzig mit dem DAAD-geförderten Studiengang Small Enterprise Promotion and Training (SEPT) weiter. Sie lud zur ersten AGEP Business Start-up Clinic ein, um neue Projekte zu begleiten und die EPOS-Studiengänge zu vernetzen.

Intensives Training: Nach einem fachlichen Input entwickelten die Teilnehmer ihre Ideen in Gruppen weiter © SEPT

Intensives Training: Nach einem fachlichen Input entwickelten die Teilnehmer ihre Ideen in Gruppen weiter © SEPT

Das Konzept kommt von der ebenfalls an der Universität Leipzig angesiedelten Entrepreneurship Initiative SMILE: Seit 10 Jahren haben Coaches knapp 400 Unternehmen auf dem Weg bis zur Gründung begleitet. Für das dreitägige Training während der Start-up Clinic wählten SEPT-Studiengangsleiter Professor Utz Dornberger und SMILE-Senior Consultant Christian Hauke 20 Bewerber aus:„ Wir haben uns für Projekte entschieden, die uns umsetzbar erschienen und die Entwicklungspotenzial hatten“, sagt Christian Hauke, der den Teilnehmern als Coach zur Verfügung stand.

Eine dieser Ideen stammt von dem Syrer Saleem Barkeel: „ Eine Website soll Syrer darüber informieren, wie sie nach dem Bürgerkrieg ihre Häuer aufbauen können – widerstandsfähig und nachhaltig.“ In Anlehnung an die Website Wikipedia sollen syrische Fachkräfte, die das Land verlassen haben, sowie internationale Experten die Beiträge verfassen. Die Idee kam dem DAAD-Alumnus während seines Masterstudiums in Renewable Energy an der Universität Oldenburg, das er im März abschloss.

Umdenken für den Kunden
Mittels Kreativ-Methoden wechselten die Studierenden und Alumni in der Start-up Clinic die Perspektive: Wer ist mein Kunde? Was ist sein Problem? Wie kommt der Kunde zu mir? „Die Herausforderung ist, alles neu zu denken und für den Kunden umzugestalten“, so Christian Hauke. „ Nur wer seine Idee realistisch umsetzen kann, hat als Gründer Chancen auf Erfolg.“

Die meisten Teilnehmer möchten Projekte in ihrer Heimat zum Leben erwecken. Damit haben sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber ausländischen Unternehmern, weiß Studiengangskoordinatorin Christine Tonscheidt, Organisatorin der  Start-up Clinic: „Sie kennen Sprache, Kultur und Strukturen und können die Bedarfe besser einschätzen.“ So entwickelten einige Studierende zum Beispiel alternative Kochmöglichkeiten, weil in vielen Regionen die Öfen immer noch mit Holz befeuert werden. Das greift die natürlichen Ressourcen an und schädigt Umwelt sowie die eigene Gesundheit. Andere Studierende setzten auf die Modernisierung des landwirtschaftlichen Familienbetriebs, um Grund und Boden zu schonen und zugleich gute Erträge zu erzielen.

Mittels Kreativ-Methoden versetzten sich die Studierenden und Alumni in ihre Kunden © SEPT

Mittels Kreativ-Methoden versetzten sich die Studierenden und Alumni in ihre Kunden © SEPT

Neben dem Input und der Hilfe der Coaches ging es um den Austausch untereinander. „Wir haben Gruppen zu Landwirtschaft, Bioenergie und Dienstleistungen gebildet“, sagt Christine Tonscheidt. Und es funktionierte: „Ich konnte ein Netzwerk mit Teilnehmern aufbauen, die an ähnlichen Projekten arbeiten wie ich“, sagt Saleem Barkeel. Auch für Niranjan Mukherjee war die Gruppenarbeit bereichernd: „ Wenn ich nicht weiterkam, hatten die anderen brillante Lösungsvorschläge.“ Der Inder ist DAAD-Stipendiat im Studiengang Hydro Science and Engineering an der TU Dresden. Er möchte die Hinterhöfe großer Wohnkomplexe in Mumbai mit Biogasanlagen ausstatten, damit die Bewohner Energie aus den eigenen Bioabfällen produzieren können.

Von der Idee zum Geschäft
Auf dem Weg zur Umsetzung war die AGEP Business Start-up Clinic nur der Anfang: „Wir haben bei den Teilnehmern das Bewusstsein geweckt, dass eine Idee noch kein Produkt ist“, sagt Christian Hauke. Dass weitere Schritte nötig sind, ist dem Syrer Saleem Barkeem klar geworden: „Dank des professionellen Coachings konnte ich erstmals meine Gedanken zu Papier bringen. Jetzt möchte ich einen Business-Plan ausarbeiten und finanzielle Unterstützung für mein Projekt einwerben.“ Die Hilfe der Coaches ist ihm sicher – sie stehen den Teilnehmern weiterhin mit ihrer Expertise zur Verfügung.

Weitere Informationen
AGEP: www.agep-info.de
SEPT: www.sept.uni-leipzig.de
SMILE: www.smile.uni-leipzig.de

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