Immer die Balance wahren

Amdom Gebremedhin gewinnt neue Sichtweisen

Amdom Gebremedhin hat in Äthiopien als Agraringenieur gearbeitet. Jetzt bildet er sich in Suderburg im Studiengang „Climate Change and Water Management” weiter. Im Interview erklärt er, welche Bedeutung das Thema des Suderburger Workshops „Enough Water for all“ für ihn und seine Arbeit, aber auch für uns in Deutschland hat.

Auch in Deutschland wird künstlich bewässert: Die Workshop-Teilnehmer besichtigen eine Bewässerungsanlage in Suderburg. (C) Philip Schulze

In Äthiopien haben viele Menschen zu wenig zu essen. Worin liegt die Ursache für die große Not?

85 Prozent der Bevölkerung leben als Bauern. Sie versuchen, das, was sie zum Leben brauchen, selbst anzubauen, aber sie können einfach nicht genug produzieren. Es fehlt an Bildung, Technologie und gutem Management.

Was kann Management in der Landwirtschaft ausrichten?

Ich habe in einem Forschungszentrum in Äthiopien an besseren Ansätzen zum Wasser- und Bodenmanagement gearbeitet. In Äthiopien gewinnen wir aus einem Hektar Land 23 Tonnen Weizen, mit Dünger und Unkrautvernichtung gelingt das bereits auf der Hälfte der Fläche. Oder ein weiteres Beispiel: In den USA müssen Anbauflächen ähnlich stark bewässert werden wie in Äthiopien, trotzdem ist die Produktion dort bei gleicher Fläche fünfmal so hoch wie in meiner Heimat.

Ist in Äthiopien denn genügend Wasser vorhanden?

Jährlich fallen 800 bis 900 Millimeter Regen – ungefähr soviel wie in Deutschland. Aber das Wasser ist nicht gleichmäßig verteilt: Im Westen Äthiopiens regnet es zu viel, im Osten zu wenig. Wir müssen das Wasser räumlich und zeitlich besser verteilen, etwa mit Hilfe von Stauseen und mehr Leitungen. Dann können die Bauern durch zuverlässige Bewässerung sichere Ernten und höhere Erträge erzielen.

Ist Wasserknappheit nur ein Problem der Entwicklungsländer?

Nicht unbedingt. Auch in Deutschland wird künstlich bewässert, wie hier in Suderburg, wo der Sandboden die Feuchtigkeit schlecht hält. Auch in der gemäßigten Zone kommt der Regen nicht immer zum richtigen Zeitpunkt. Dieses Frühjahr beispielsweise war das trockenste seit 50 Jahren. Das Problem wird sich durch den Klimawandel verschärfen. Deshalb untersuche ich in meiner Masterarbeit den Einfluss des Klimawandels auf den Einsatz von Bewässerungswasser in Äthiopien und in Deutschland. Mein Ziel ist es, Vorschläge zu entwickeln, wie man sich optimal an die Veränderungen anpassen kann.

Welche weiteren Ideen werden Sie mit nach Äthiopien nehmen?

Die Studenten im Suderburger Masterprogramm haben alle einen unterschiedlichen Hintergrund. Dadurch bin ich zu neuen Sichtweisen gekommen. Ich bin Agraringenieur. Mein Hauptinteresse war immer, die Produktivität zu erhöhen. Aber in meinem Studiengang sind auch Umweltingenieure. Deren Ansatz hat mir gezeigt, dass höhere Produktivität und Umweltverträglichkeit Hand in Hand gehen müssen. Ein Beispiel: Wir brauchen Ackerland. Aber wenn wir dafür zuviel Wald roden, rächt sich das durch Bodenerosion. Landwirtschaft beeinflusst den Klimawandel und umgekehrt. Mir ist jetzt klar, dass es letztendlich immer darum geht, die Balance zu wahren.

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