Mehr als reines Faktenwissen

Gespräch mit Personalentwicklerin Alexandra Pres

Technische Lösungen allein bringen keinen Durchbruch in der Entwicklungshilfe. Das weiß Alexandra Pres aus ihrer Arbeit bei der Organisation InWEnt – Internationale Weiterbildung und Entwicklung GmbH, wo sie für Personalentwicklung und Netzwerke im Bereich Wasser zuständig war. Für die Wassermanager von morgen wünscht sich Alexandra Pres Kompetenzen, die über technisches und betriebswirtschaftliches Wissen hinausgehen. Warum? Das erklärt sie im Interview und in ihrem Vortrag auf dem Workshop Suderburg.

Der aktuelle Jahrgang 'Klimawandel und Wasserwirtschaft' forscht in den Laboren des Campus Suderburg. Foto: Privat

Der aktuelle Jahrgang 'Klimawandel und Wasserwirtschaft' forscht in den Laboren des Campus Suderburg. Foto: Privat.

Viele Studierende aus Entwicklungsländern schätzen die Qualität der deutschen Ingenieurausbildung. Bekommen sie dabei das notwendige Rüstzeug für ihre Heimat?

Leider nur zum Teil. Es ist ein typischer Irrtum, zu denken, dass sich Probleme durch technisches Wissen lösen lassen: Man lernt zwar eine Technologie kennen und wie man sie in Stand hält. Darauf beruht die Ausbildung in den Entwicklungsländern und häufig auch bei uns in Europa. Aber dieser Ansatz lässt viele Probleme außer Acht.

Welche denn?

Nehmen wir zum Beispiel den Transfer von Wissen: Um etwa die Wasserqualität auf Kuba zu erhöhen, muss zunächst die enorme Verschmutzung angegangen werden, eine Schwierigkeit, die wir in Deutschland längst nicht mehr haben und die deshalb nicht im Zentrum der Ausbildung steht. Oder Studierende lernen in Deutschland High-Tech-Lösungen kennen, die für Entwicklungsländer überdimensioniert oder zu teuer sind. So kann in Wüstenstaaten Rain Water Harvesting – das Auffangen von Tau und Niederschlägen – sinnvoller sein als große Anlagen zur Entsalzung von Meerwasser.

Wie lassen sich diese Probleme in der Ausbildung auffangen?

Wir müssen die Studierenden mit dem fachlichen Know-how anziehen, ihnen aber darüber hinaus viel mehr mitgeben wie beispielsweise die Fähigkeit, Netzwerke zu managen: Wie bringe ich die richtigen Leute an einen Tisch? Wie moderiere ich ein Treffen? Auch schlichte Methodenkompetenz ist wichtig: Wie präsentiere oder verhandle ich? Und nicht zuletzt spielt die Sozialkompetenz eine wichtige Rolle: Wie erreiche ich, dass ich mein Wissen anwenden kann? Wie verhindere ich, dass mein Chef mich ausbremst, weil er mich aufgrund meiner Weiterbildung als Bedrohung empfindet? Ich habe in der Personalentwicklung Fälle erlebt, in denen Mitarbeiter nach einer Fortbildung im Ausland degradiert wurden und dadurch Transfer nicht stattfinden konnte.

Vermitteln deutsche Studiengänge diese Kompetenzen?

Unser Bildungssystem beruht auf analytischem, problemorientiertem Denken. Für Studierende, die aus Kulturen kommen, wo es eher auf die Reproduktion von Wissen ankommt, ist das eine Bereicherung. Der Masterstudiengang „Climate Change and Water Management” in Suderburg ist ein positives Beispiel: Auch hier geht es zwar viel um Technologie, aber die Studierenden erhalten die Chance, andere Bezüge mitzudenken – durch den Schwerpunkt Klimawandel und das Lernen in einer Gruppe aus unterschiedlichen Nationen und Kulturen. Das führt zum freieren, kreativen Denken und zu der wichtigen Fähigkeit, unter unterschiedlichen Bedingungen eine angemessene Entscheidung treffen zu können.

Und das Problem mit dem Chef?

Man kann vorbeugen, indem man den Vorgesetzten von vorneherein mit einbindet, etwa bei der Wahl der Schwerpunkte im Studium oder beim Thema der Masterarbeit. Mit etwas Fingerspitzengefühl lassen sich so spätere Differenzen und Konkurrenzängste vermeiden.

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