Neues Zuhause in Deutschland

283 DAAD-Stipendiaten im Programm der Entwicklungsbezogenen Postgraduiertenstudiengänge starten im Wintersemester ihr Studium. Unter ihnen sind Daniel Ortiz aus Venezuela, Saba Al-Sader aus den Palästinensischen Autonomiegebieten, Sharad Mainali aus Nepal und Shraddha Kulhari aus Indien. Im Interview berichten sie über ihre Ziele und ihre erste Zeit in Deutschland.

 

Daniel Ortiz aus Venezuela © privat

Daniel Ortiz aus Venezuela © privat

„Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen“
Daniel Ortiz studiert Meeresbiologie. In Deutschland vertieft der Venezolaner sein Wissen im Master „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) an der Universität Bremen.

Warum haben Sie sich für Deutschland entschieden?
Hier kann ich mit international renommierten Wissenschaftlern aus der marinen Tropenökologie arbeiten und praktische Erfahrungen in der Forschung sammeln – das ISATEC-Programm ist dafür ideal. Außerdem ist mein Masterstudiengang international und ich freue mich darauf, Freundschaften mit Studierenden aus unterschiedlichen Kulturen zu knüpfen.

Haben Sie sich willkommen gefühlt?
Ich bin im Sommer bei gutem Wetter in Deutschland angekommen – da fiel mir die Umstellung von Venezuela nicht so schwer. In den ersten Tagen habe ich viele nette Menschen getroffen, die den Einstieg für mich leichter gemacht haben. Ich war aber auch etwas überfordert, weil meine Deutschkenntnisse noch nicht so gut waren. Derzeit lerne ich im Deutschkurs gemeinsam mit anderen internationalen Studierenden und verstehe schon viel mehr als am Anfang.

Wie war der erste Tag an der Universität?
Obwohl ich schon sechs Monate vorher wusste, dass ich nach Deutschland kommen würde, habe ich es erst begriffen, als ich das erste Mal an der Uni war. In dem Moment hatte ich Gänsehaut und – ich muss zugeben – auch ein paar Tränen in den Augen. Mir wurde klar: „Ich habe es geschafft. Ich habe es wirklich geschafft.“ Ich bin froh, dass sich harte Arbeit immer auszahlt.

 

Saba Al-Sader aus den Palästinensischen Autonomiegebieten © privat

Saba Al-Sader aus den Palästinensischen Autonomiegebieten © privat

„Grüne Energie erforschen“
Saba Al-Sader kommt aus den Palästinensischen Autonomiegebieten. Als Elektroingenieurin mit drei Jahren Berufserfahrung hat sie sich auf erneuerbare Energien spezialisiert. Eine viertägige Fortbildung bei einem deutschen Solarstromkonzern beeindruckte sie so sehr, dass sie sich für das Masterprogramm Erneuerbare Energien an der Universität Oldenburg um ein DAAD-Stipendium bewarb – mit Erfolg!

Warum studieren Sie „Erneuerbare Energien“ in Deutschland?
Deutschland gehört zu den führenden Ländern auf diesem Gebiet und das Programm in Oldenburg entsprach genau meinen Vorstellungen. Mit dem neuen Wissen möchte ich den Energiesektor in Palästina verbessern und die Erforschung Grüner Energien vorantreiben. Das ist nicht nur für meine Heimat, sondern für die ganze Welt von Bedeutung.

Muss man Deutsch lernen?
In Deutschland kommen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, mit unterschiedlichen Sprachen zusammen – das hat mich zu Beginn sehr beeindruckt. Die deutsche Sprache ist aber trotzdem wichtig. Seitdem ich Deutsch lerne, wird der Alltag hier einfacher.

Was gefällt Ihnen besonders?
Ich treffe Studierende aus der ganzen Welt. Dieses internationale Netzwerk eröffnet viele Möglichkeiten für Kommunikation und den Austausch von Wissen und Erfahrungen.

 

Sharad Mainali aus Nepal © privat

Sharad Mainali aus Nepal © privat

„Mich beeindrucken die Städte“
Der Geomatiker Sharad Mainali arbeitete für die Regierung seines Heimatlandes Nepal. Dort war er für Katastervermessungen zuständig. An der TU München (TUM) will er sich im Masterstudiengang „Land Management and Land Tenure“ weiterbilden.

Welche Ziele verknüpfen Sie mit dem Studium an der TUM?
Deutschland hat ein ausgezeichnetes Bildungssystem und die TU München ist sehr renommiert. Das Studium wird meine berufliche Karriere vorantreiben.

Wie war Ihr Start?
Deutschland ist mein Traumland und ich habe wirklich Glück, hier studieren zu können. Mich beeindruckt vor allem die gute Infrastruktur der Städte. Ich bin mir sicher, dass ich meine Zeit hier genießen werde und viele Erinnerungen und Freundschaften fürs Leben mitnehme. Besonders an den Wochenenden unternehme ich viel mit anderen internationalen Studierenden – bisher habe ich mich noch nie allein gefühlt.

Konnten Sie bereits einen Eindruck von der Lehre gewinnen?
Das Semester startet erst im Oktober, aber ich besuche regelmäßig einen Deutschkurs. Der Unterricht ist viel interaktiver als in Nepal und die Lehrer legen Wert darauf, mit den Studierenden in Kontakt zu treten.

 

Shraddha Kulhari aus Indien © privat

Shraddha Kulhari aus Indien © privat

„München ist Hauptstadt des geistigen Eigentums“
Shraddha Kulhari hat ihr Jurastudium in Indien mit dem Bachelor abgeschlossen und studiert ab Wintersemester 2016 am Munich Intellectual Property Law Center ihr Fach: Master of Laws in Intellectual Property and Competition Law.

Warum haben Sie sich für München entschieden?
Ich möchte verstehen, wie das Recht des geistigen Eigentums außerhalb meines Landes funktioniert und wie es mit dem Wettbewerbsrecht zu vereinbaren ist. München gilt aufgrund zahlreicher Einrichtungen wie dem Europäischen Patentamt und dem Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht als „Europas Hauptstadt des Geistigen Eigentums“. Besonders das Munich Intellectual Property Law Center und ist die richtige Adresse für mein Anliegen: Neben dem Münchner Max-Planck-Institut sind die TU München, die Universität Augsburg und die George Washington University of Law an der internationalen Kooperation beteiligt. Nach dem Studium ist es mein Ziel, die Interessen von Entwicklungsländern auf diesem Feld zu vertreten.

Wie waren die ersten Tage?
Dank der detaillierten Informationen des DAAD konnte ich meine Ankunft gut organisieren. Es war zwar nicht leicht eine bezahlbare Wohnung in München zu finden, aber ich habe nette Leute kennengelernt, die mich bei der Suche unterstützt haben.

Wie sind Sie aufgenommen worden?
Alle Menschen, die ich bisher in München getroffen habe, sind sehr freundlich und hilfsbereit. Sie haben immer ein offenes Ohr für mich und haben mir geduldig bei allen Problemen geholfen – das hatte ich so nicht erwartet und es hat mich positiv überrascht.

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