Von der Wissenschaft und Kunst, richtig zu entscheiden

Gesundheitsprobleme – auch armer Bevölkerungen – sind meist leicht vermeidbar oder heilbar, doch oft fehlt der politische Wille. Genaue Analysen können zum Handeln überzeugen. Es kommt darauf an, die richtigen Entscheidungen zu treffen – das lernen Experten am Institut für Public Health an der Universität Heidelberg.

Bereits Experten in Public Health: Die Teilnehmer des Short Courses © International Health Universität Heidelberg

Bereits Experten in Public Health: Die Teilnehmer des Short Courses © International Health Universität Heidelberg

In Teilen Afrikas und Lateinamerikas leiden Menschen unter anderem an Onchozerkose, der Flussblindheit – einer vernachlässigten tropischen Erkrankung. An Flüssen lebende Mücken übertragen Fadenwürmer, die die Krankheit auslösen.  Häufig wird dies nicht verhütet oder behandelt,  weil die Erkrankung vor allem die Armen trifft. Erst allmählich erkannten die betroffenen Staaten, dass die Folgen der Krankheit weit über das individuelle Schicksal hinausreichen und auch Wirtschaft und Gesellschaft betreffen: Erkrankte und pflegende Familienangehörige fielen als Arbeitskräfte aus. Die Analysen von Public Health Experten gaben wichtige Impulse, um Bewusstsein zu schärfen und die negative Entwicklung zu stoppen. Schließlich begann in den 1970er Jahren die Bekämpfung der Flussblindheit mit Hilfe eines kostenfreien Medikaments, dessen Vergabe die Weltgesundheitsorganisation koordinierte.

„Unsere Teilnehmer lernen, wie sie Entscheidungen anhand solcher Fakten formulieren und durchsetzen“, sagt Olaf Horstick, Dozent am Heidelberger Institut für Public Health und Koordinator des fünftägigen Shortcourses  „Decision Making in Public Health: Evidence or Politics?”. Bereits zum vierten Mal fand er als Teil des Master of Science in International Health (MscIH) und im „Network for Education in International Health“ (tropEd) statt. In tropEd ist die Universität Heidelberg mit 31 Hochschulen weltweit organisiert. 20 internationale Teilnehmer erprobten  in Heidelberg, wie sie beweisgestützte Entscheidungen treffen. „Die Teilnehmer sind bereits erfahren in Public Health. Bei uns setzen sie ihr vorhandenes Wissen in gemischten Gruppen um, denn so gehen sie auch in ihrem Beruf Gesundheitsprobleme an“, erläutert Horstick.

Verlässliche Beweise finden
Der Ägypter Moody Samuel, DAAD-Stipendiat im MScIH in Heidelberg, schätzte diese Form der Arbeit: „Wir haben in unserer Heimat mit unterschiedlichen Gesundheitsproblemen und Kulturen zu tun. Die Methoden, um Lösungen zu finden, sind aber die gleichen.“ Anhand von Fällen befassten sich die Experten mit folgenden Fragen: Sprechen die erhobenen Daten überhaupt für ein gesundheitliches Problem? Welche Interventionen sind wirksam und gleichzeitig wirtschaftlich? Passt die Intervention in den jeweiligen kulturellen Kontext? Die Lösungsansätze wurden am letzten Tag des Kurses präsentiert.

„Entscheidungen müssen auf verlässlichen und qualitativ hochwertigen Beweisen beruhen. Solche Beweise zu finden, zu beurteilen und zu präsentieren, ist eine Kunst. Diese konnte ich weiter ausbauen“, sagt Dr. Ayesha Humanyun. Sie ist Professorin am Shaikh Khalifa Bin Zayed Al-Nahayan Medical College sowie am Federal Postgraduate Medical Institute des Shaikh Zayed Medical Complex in Lahore, Pakistan, und betreut die medizinischen Ausbildung des Nachwuchses. Auch Moody Samuel hat der Kurs gezeigt, wie wichtig ein beweisgestütztes Decision Making ist. Er ist selbst Mediziner und Public Health Officer: „Wir können keine Entscheidungen treffen, die über Leben entscheiden, ohne sie auf aussagekräftigen Fakten zu gründen. Die Ansätze, die ich hier gelernt habe, werde ich auch in meinem Arbeitsumfeld bekannt machen und anwenden.“

Ressourcen sinnvoll verteilen
Ayesha Humanyun möchte diesen Kurs in Lahore anbieten, um Studierenden das richtige Decision-Making zu lehren. „In Pakistan sind Entscheidungen zur Gesundheit oft politisiert. Das muss sich ändern: Beweisgestützte Entscheidungen können die Verteilung von Ressourcen rechtfertigen und eine Verschwendung verhindern.“

Links:
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