Eine Rückkehr voller Herausforderungen

Ich habe zwei Jahre lang in Dresden an der TU den englischsprachigen Master-Studiengang Tropical Forestry and Management belegt und davon sehr profitiert. Abgesehen von der guten akademischen Ausbildung habe ich dort auch auf dem Gebiet der interkulturellen Verständigung sehr viel gelernt. Dresden ist eine schöne, gut organisierte Stadt und das Leben ist dort, wie in den meisten deutschen Städten, sehr angenehm.

Aber wie es so schön heißt: zu Hause ist es doch am schönsten. Ich hatte großes Heimweh nach meiner Familie, meinen Freunden, dem tropischen Essen und dem warmen Wetter bei uns zu Hause. Daraufhin beschloss ich erst einmal, das Beste aus der Situation zu machen und mich nicht zu sehr hineinzusteigern ins Heimweh. Ich buchte einen Urlaub und genehmigte mir eine Erfrischungskur.

Klar, man weiß natürlich vorher, dass man bei der Rückkehr auch mit Schwierigkeiten rechnen muss. Und ehrlich gesagt, mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich auch ein Postgraduiertenprogramm mit Bezug zu den Entwicklungsländern gewählt. Denn ich wusste von Anfang an, dass ich zurückkehren, mich diesen Schwierigkeiten stellen und einen Beitrag leisten wollte zur Entwicklung in unseren Staaten.

Ich war zwar überzeugt von mir, aber wusste auch, dass ich Geduld mitbringen musste. Es gibt nichts Schlimmeres, als ununterbrochen über alles zu jammern. Bei meiner alten Arbeitsstelle waren meine Vorgesetzten inzwischen ausgewechselt worden, und damit war auch mein alter Arbeitsplatz nicht mehr sicher. Zum Glück hatte ich ein gutes Profil bei der Organisation und die neue Managerin bot mir eine neue Stelle an. Die war zwar auf einem geringeren Gehalts- und Qualifikationsniveau als vorher, aber etwas anderes war nicht frei. Ich ging auf das Angebot ein, weil es sich immerhin um ein neues Projekt über Klimawandel handelte, das erst in drei Monaten beginnen würde. Am Ende wurde dann aus dem Projekt doch nichts, weil Fördergelder fehlten. Damit war aber auch klar, dass ich mir bei der nächstbesten Gelegenheit etwas anderes suchen musste. Und jetzt arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der „National Agricultural Research Organization”.

Auch beim Wiedereinleben insgesamt gab es allerhand Schwierigkeiten. Das lag vor allem an dem Erwartungsdruck von außen. Jeder dachte, ich hätte viel Geld, auch wenn das gar nicht der Fall war. Manche Leute reden sehr schlecht über einen, wenn man ohne Geld aus Europa zurückkommt, selbst wenn man dort nur zum Studium war. Aber ich habe mir aus den üblen Nachreden nicht viel gemacht, weil ich ja niemandem eine Erklärung schuldig war, und mich stattdessen lieber auf den nächsten Schritt konzentriert. Für mich war am wichtigsten, beruflich voranzukommen. Die zwei Jahre Deutschland haben mich sehr geprägt, was mein Verhältnis zur Zeit angeht, und meinen Horizont erweitert. Es war gar nicht so leicht, sich an das Verhalten der Leute hier wieder zu gewöhnen. Ich denke dabei etwa an das Vorstellungsgespräch, das um 10 Uhr losgehen sollte, und um 3 Uhr war es dann endlich so weit. Bis dahin war mir dann schon klar, dass nicht meine berufliche Zukunft woanders lag.

Was ich anderen Stipendiaten mit auf den Weg geben kann: Das Wichtigste an der Rückkehr ist, sich ganz bewusst dafür zu entscheiden. Sobald die Entscheidung einmal getroffen ist, kann man sich auf die Schwierigkeiten, die mit der Reintegration unweigerlich einhergehen, ganz bewusst vorbereiten. Es ist einfach nur wichtig, diese ANGST, vor der man gerne die Augen verschließt, frontal anzugehen. Manche kehren nämlich einfach deswegen nicht in die Heimat zurück, weil die Angst vor dem großen Unbekannten sie zurückhält.

 

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