Humboldt und ich

Wie ich euch in meinem letzten Blog ja bereits angekündigt habe, bin ich wieder zurück in Deutschland! Nach einem etwa sechsmonatigen Auswahlprozess erhielt ich letzten September als eine von 20 Fellows ein Internationales Klimaschutzstipendium der Humboldt-Stiftung.

Der Zufall will es, dass die nicaraguanische Organisation, für die ich bis letzten Dezember gearbeitet habe, ebenfalls den Namen des berühmten deutschen Wissenschaftlers trägt, der ausgedehnte Forschungsreisen durch das „Spanische Amerika“ (1799−1804) unternahm. Humboldts Dokumentation des Chimborazo in Zeichnungen, Notizen und Veröffentlichungen aus der Zeit von vor über 200 Jahren leisten heute der Wissenschaft einen großen Dienst. Im Vergleich zeigt sich, wie sich das Ökosystem auf dem ecuadorianischen Vulkan verändert hat und wie sich der globale Klimawandel auf lokaler Ebene auswirkt. Humboldt ist also gleich aus mehreren Gründen eine wichtige Figur in meinem Berufsleben.

Das Internationale Klimaschutzstipendium bietet den Stipendiaten Gelegenheit, ein Jahr lang in einer deutschen Institution/Organisation ihrer Wahl zu arbeiten. Das können Forschungszentren sein, Nichtregierungsorganisationen oder Thinktanks, die die Klimapolitik auf internationaler Ebene mitgestalten und beeinflussen. Ich kann damit nun als Klimaschutz-Stipendiatin an das Forschungszentrum zurückkehren, an dem ich schon meine Masterarbeit geschrieben habe: das Climate Service Center – Germany (GERICS). Das entspricht der Zielsetzung des Programms, das den Wissensaustausch zwischen den Stipendiaten und deutschen Institutionen und eine fruchtbare Zusammenarbeit fördern möchte. Mein Themengebiet sind den Klimawandel betreffende Entscheidungs- und Planungsprozesse. Das Thema ist besonders relevant für Entwicklungsländer, denen in der Regel nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, die umso effizienter eingesetzt werden müssen.

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Das Stipendienprogramm fördert aber nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den individuellen Stipendiaten und ihren Gastinstitutionen. Vor der Ausreise nach Deutschland kamen alle aktuellen Klimaschutz-Stipendiaten auf Einladung der Humboldt-Stiftung zu einer dreiwöchigen Einführungsveranstaltung zusammen: 20 junge Akademiker und Akademikerinnen, die in ihren jeweiligen Herkunftsländern bereits Berufserfahrung in führenden Positionen im Bereich Klimawandel vorzuweisen haben. Es war sehr interessant, miteinander ins Gespräch zu kommen, Meinungen auszutauschen, mit verschiedenen sozioökonomischen Kontexten in Kontakt zu kommen und sich von jeder und jedem einzelnen bereichern zu lassen. Allesamt einfach tolle Leute!

An den Arbeitsgebieten der Stipendiaten zeigt sich, was für ein umfassendes, viele Bereiche berührendes Phänomen der Klimawandel ist: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, internationale Politik, Anpassung, Kohlenstoffmärkte, Risikomanagement und Katastrophenschutz, Landwirtschaft − und die Liste ließe sich noch fortsetzen.

In der Einführungsveranstaltung lernten wir außerdem verschiedene deutsche Institutionen und Organisationen kennen und erhielten einen Einblick in ihre Erfahrungen und ihre Arbeit. Im Bereich Klimawandel gehört etwa das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven dazu, das seit 1980 Expeditionen zum Nord- und Südpol unternimmt, oder die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die in der Entwicklungszusammenarbeit führend ist. Außerdem besichtigten wir den „umweltbewussten“, in Niedrigenergiebauweise errichteten Stadtteil Vauban in Freiburg i.Br.

Diese neue berufliche Erfahrung bestätigt mich in meiner Überzeugung, dass Deutschland ein Land voller Möglichkeiten ist. Hier steht es nicht nur jedem frei, seine Ideen und Ziele zu verfolgen und umzusetzen, sondern − was vielleicht noch wichtiger ist – auch tatsächlich beruflich und persönlich voranzukommen. Das sieht man an den wertvollen Erfahrungen, die junge Menschen wie ich am Anfang ihrer Karriere solchen Institutionen wie dem DAAD, dem Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) (das mich auch während meiner Arbeit in Nigeria unterstützte) und der Humboldt-Stiftung zu verdanken haben. Ich werde alles dafür tun, damit die Chancen, die sich mir dadurch bieten, nicht nur mir selbst zugutekommen, sondern mich in dem Beschluss bestärken, mich mit meiner Arbeit für mein Land und meine Region einzusetzen.

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