Alaaf und Helau

„Met ner pappnas gebore, dr Dom in dr Täsch, han mir uns jeschwore, mer jon unsre Wääch…“ – ist das Deutsch? Und wenn ja, was heißt das? Soviel sei vorab verraten: In Deutschland hat der Karneval im Februar Hochsaison.

Schrille Farben, bunte Kostüme, geschminkte Gesichter: egal ob Karneval, Fastnacht oder Fasching, es wird gefeiert, getrunken und getanzt. Die sogenannte fünfte Jahreszeit ist vor allem im Rheinland sehr lebendig.  „Ich denke, dass ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei der die Deutschen sich mal gehen lassen und so viel Spaß haben, wie es nur geht“, sagt Tania Yaoska Guillén Bolaños. Die Nicaraguanerin studiert seit anderthalb Jahren Resourcenmanagement in den Tropen und in Köln und hat bereits letztes Jahr den Karneval live miterlebt.

Jedes Jahr am 11.November um 11:11 Uhr fällt der  Startschuss  für die neue „Session“. Dann präsentieren sich bis zum Beginn der Fastenzeit im Frühjahr die zahlreichen Karnevalsvereine  in  abendlichen Veranstaltungen, die „Sitzungen“ genannt werden. Dort werden Politik und Gesellschaft aufs Korn genommen, es wird viel gelacht und getanzt. Der Kölner Student Myo Min Latt aus Myanmar feiert dieses Jahr auf jeden Fall mit: „Ich weiß noch nicht welches Kostüm ich zu Karneval trage, aber ich werde mein Gesicht bunt schminken.“

Der Straßenkarneval
Der Höhepunkt des Karnevals sind die „jecken Tage“ von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch – die Zeit des Straßenkarnevals. Cowboy und Clown, Prinz und Prinzessin, Tiger und Giraffe: jedes Kostüm ist erlaubt, Hauptsache fröhlich, bunt und schrill. „Alaaf und Helau“, ertönen die karnevalistischen Ausrufe an jeder Ecke. Heinz Wacker, Ehrenpräsident des Bundes Deutscher Karneval sagte einmal: „Karneval ist doch wie eine große friedliche Demonstration. Hier werden Polizisten sogar geküsst und nicht beworfen.“ Tania Guillén mag den Straßenkarneval: „Die Stadt ist bunt und voller Menschen und überall kann man lustige Szenen beobachten.“

Foto: Michael Welsing

Weit über Deutschlands Grenzen bekannt ist der Kölner Rosenmontagszug: 7 Kilometer lang, rund 270 Fahrzeuge mit lustigen Motiven sowie 130 Musikkapellen. Über 10.000 Menschen wirken mit und eine Millionen Narren stehen am Straßenrand und jubeln dem Zug zu. Besonders bei Kindern sind solche Umzüge beliebt, weil von den Wagen rund 150 Tonnen Süßigkeiten, „Kamelle“, in die Menge geworfen werden.

Karneval in anderen Regionen
Nicht nur im Rheinland, auch in anderen Regionen Deutschland treten die Jecken auf. Bekannt ist der Karneval in Rheinland-Pfalz mit Mainz als Zentrum. Seit 1524 feiern die Narren in Wasungen (Thüringen) Karneval und auch in Süddeutschland hat die Fastnacht Tradition. Hier beginnt der Karneval allerdings erst am 6. Januar und wird eher als Winteraustreibung gesehen. Da Karneval traditionell eher ein Fest der Katholiken ist, gibt es in Norddeutschland nur in wenigen Städten Umzüge. Doch egal, wo gefeiert wird, an Aschermittwoch – 40 Tage vor Ostern – enden die jecken Tage, die Fastenzeit beginnt.

Auflösung: Der Satz am Anfang des Artikels ist tatsächlich deutsch, genauer der rheinische Dialekt „Kölsch“. Er stammt aus einem bekannten Kölner Karnevalslied und heißt: „Mit einer Pappnase geboren, den (Kölner) Dom in der Tasche, haben wir uns geschworen, wir gehen unseren Weg…“

Mehr Informationen:
Informationen zu Karneval in Deutschland: http://www.derweg.org/feste/kultur/karneval2.html
Termine und Veranstaltungen rund um den Kölner Karneval mit Kostümtipps: http://www.koelnkarneval.com/index.php
Karnevalslexikon mit vielen karnevalspezifischen Begriffen: http://www.fasching-karneval.net/

 

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