Mathematik als Schlüsseltechnologie

Große Fabrikanlagen, öffentliche Verwaltung, Wasserversorgung – damit alles reibungslos funktioniert, ist Mathematik unverzichtbar. Entsprechend qualifizieren sich Doktoranden aus Entwicklungsländern an der TU Kaiserslautern.

International: Die Doktoranden an der TU Kaiserslautern kommen aus Asien, Afrika und Lateinamerika © Fachbereich Mathematik an der TU Kaiserslautern

International: Die Doktoranden an der TU Kaiserslautern kommen aus Asien, Afrika und Lateinamerika © Fachbereich Mathematik an der TU Kaiserslautern

Seit 2006 gibt es das PHD-Programm „Mathematics in Industry and Commerce“, gefördert durch den DAAD. Es richtet sich speziell an Mathematiker aus Entwicklungsländer und gehört zur Graduate School „Mathematics as a Key Technology“ der TU Kaiserslautern. Die Doktoranden beschäftigen sich mit mathematischer Modellierung. Das heißt: Sie simulieren reale Prozesse am Computer. „An der TU Kaiserslautern arbeiten wir anwendungsorientiert und beweisen nicht nur Theorien wie in Chile. Deshalb habe ich mich für das Programm entschieden“, sagt Danielo Alberto Pezo Villar, Doktorand seit Oktober 2014.

Reale Probleme lösen
Die Arbeiten der Doktoranden zeigen, dass Mathematik eine echte Schlüsseltechnologie ist: Danielo Pezo Villar forscht zum Beispiel an einer kostengünstigeren Alternative zum Stahlbeton, um Gebäude einsturzsicher zu machen. Dazu simuliert er die Verteilung von kleinen Glas-, Metall- oder Steinelementen, die dem Beton beigemischt werden. „In meiner Heimat werden Städte immer wieder durch Erdbeben zerstört. Mit dem neu erworbenen Wissen möchte ich künftig dazu beitragen, Schäden zu vermeiden“, so der Chilene. Die DAAD-Stipendiatin Euna Nyarige arbeitet an Zeitreihen. „Mit Zeitreihen kann etwa die Menge giftiger Emissionen vorhergesagt werden, die die Industrie in einem Land verursacht“, erklärt die Kenianerin. „Die Daten zeigen an, ob ein kritisches Maß erreicht wird und eingegriffen werden muss“.

Die Bedingungen in Kaiserslautern sind optimal: Der Fachbereich der Mathematik arbeitet eng mit dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik zusammen, an dem rund 200 Wissenschaftler an konkreten Industrieprojekten forschen. „Stoff für Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten gibt es reichlich. Außerdem sammeln Studierende als wissenschaftliche Hilfskräfte praktische Erfahrungen in einer außeruniversitären Einrichtung“, so der Koordinator des PHD-Programms Falk Triebsch.

In Arbeitsgruppen unterstützen sich die Mathematiker gegenseitig © Fachbereich Mathematik an der TU Kaiserslautern

In Arbeitsgruppen unterstützen sich die Mathematiker gegenseitig © Fachbereich Mathematik an der TU Kaiserslautern

Erfolgsversprechende Zukunft
Nach ihrer Promotion arbeiten die meisten Absolventen an Hochschulen in der Heimat, meist in hochqualifizierten Positionen. Dort lehren sie moderne und anwendungsbezogene Mathematik. Sie modernisieren die Lehre und bilden die mathematischen Modellierer aus, die in den Ländern dringend gebraucht werden. Auch Euna Nyarige möchte später an einer Universität ihr Wissen weitergeben: „Dabei möchte ich weiterhin forschen und in Kooperation mit Organisationen anwendungsorientierte Lösungen für aktuelle Probleme finden.“

Weitere Informationen zur Graduate School „Mathematics as a Key Technology“: http://www.mathematik.uni-kl.de/organisation/graduate-school/

Kommentieren